Alpenbrevet Gold Tour (Schweiz)

30.08.2015

Alpenbrevet Gold Tour in der Schweiz - Rennbericht von Matthias Köhler

Bericht vom Alpenbrevet, gleichzeitig meine Abschiedsvorstellung im Trikot der haberich cycling crew. Deshalb erlaube ich mir noch einmal einen etwas langen Bericht.

 

Wegen Umzug nach Regensburg und Zeitaufwand für Pendelei bin ich nächstes Jahr leider nicht dabei. Zum Abschied habe ich mir aber nochmal was vorgenommen: Alpenbrevet Gold-Tour, 172 km, 5295 hm.

 

Vier Pässe in den zentralen Schweizer Alpen, jeder auf seine Weise wunderschön und hart:
Der Grimsel zieht sich über 30 km und 1500 hm durch die vom Aaregletscher ausgeschliffenen Granitklüfte. Der Nufenen führt steil bis auf fast 2500 hm, bietet irre Ausblicke auf die Berner Hochalpen und eine rasante Abfahrt ins mediterrane Val Bedretto. Dort kurz verpflegt und auf die Tremola-Auffahrt zum Gotthard mit wie im Bilderbuch verschachtelten Kehren und dem einmaligen Erlebnis einer kilometerlangen 10%-Steigung auf Kopfsteinpflaster. Danach zieht sich der Susten noch einmal endlos, gerade und mit absolut konstanter Steigung die Flanke des Maientals entlang und lässt einen die Passhöhe von Anfang an sehen – ein wunderschöner und quälender Anblick. Und schließlich geht es noch einmal 34 Kilometer in Schussfahrt und um dutzende Serpentinen ins Ziel.


Start bei Sonnenaufgang und fantastischem Wetter. Die ersten zwei Pässe läuft es bei mir bestens, ich habe gute Gruppen und komme mit zwei Strassacker-Fahrern über den Nufenen. Hier ist das Feld schon extrem auseinandergezogen, und vor dem Gotthard teilt sich dann die Gold- von der noch extremeren Platin-Tour. Nach ausführlicher Verpflegung mache ich mich also allein auf die Weiterreise und fahre auf dem Kopfsteinpflaster in Ruhe mein Tempo.

 

Auf dem Susten ist es dann wieder ziemlich voll, die Gold- trifft auf die kurze Silberrunde. Vor allem trifft uns aber die volle Mittagshitze bei weit über 30 Grad. Jetzt wird das Rennen für alle zur Qual. An jedem kleinen Bach stehen Trauben von Fahrern und versuchen sich abzukühlen. Auch ich muss das erste Mal in meinem Radfahrerleben vor Erschöpfung kurz vom Rad steigen. Egal was man tut, nichts hilft: Ohne Helm brennt die Sonne auf die Glatze; mit Helm kann der Dampf nicht abziehen (kann es sein, dass der CASCO doch etwas schlechter belüftet ist als ein klassischer Helm, oder liegt es nur am Wetter?); ich trinke, bis der Magen platzt, aber der Wasserverlust lässt sich einfach nicht ausgleichen. Irgendwie und mit letzter Kraft schaffe ich es doch bis auf 2000 hm. Dann endlich kommt ein leichter Wind von die Passhöhe und macht die Kletterei wieder erträglich.

 

Die Abfahrt ins Ziel ist dann natürlich ein Genuss.

 

Trotz Einbruch am Susten habe ich am Ende meine Bestzeit um fast 20 Minuten verbessert und bin 54. von fast 1000 Finishern. Am Ende fällt mir auf, was für ein voraussetzungsreicher Sport das doch ist, den wir betreiben: An was man alles denken muss und was alles klappen muss, damit man am Ende zufrieden ist. Was man alles organisieren muss, was an Technik funktionieren muss, etc. Und jetzt war das Wetter fantastisch, und dann beschwere ich mich halt über die Sonne.

 

Und apropos Beschweren: Ich merke, dass das Beschweren ja eigentlich auch dazu gehört – ein Rennen macht halt doppelt so viel Spaß, wenn man nachher reden und fachsimpeln kann, was alles gut und schlecht gelaufen ist.

Matthias als erfolgreicher Alpenbrevet-Finisher in 2015 - haberich cycling crew Matthias als erfolgreicher Alpenbrevet-Finisher in 2015

Bei beidem – beim Organisieren und beim Fachsimpeln – hat es in den letzten zwei Jahren sehr viel Spaß gemacht, bei der hcc dabei zu sein. Nächstes Jahr muss ich renn- und reisetechnisch etwas kürzer treten, hoffe aber, wir behalten uns in guter Erinnerung und bleiben in Kontakt. Weil ich diesmal sowohl beim Organisieren als auch beim Fachsimpeln auf mich allein gestellt war, verzeiht Ihr mir vielleicht auch diesen etwas zu langen Bericht. Bis bald und gute Fahrt!

 

Anmerkung von Jörg und Ralf im Namen alle crew-Mitglieder: Danke, dass Du ein Teil der crew warst und durch Leidenschaft und Leistung ein wertvolles Mitglied gewesen bist. Wir bleiben in Kontakt. Und wir werden Dich immer an den Neon-Bündchen am Arm, dem "h" auf dem Rücken und dem Gorilla-Bart erkennen.

Matthias aSo werden wir Dich in Erinnerung behalten: volle Leistung und trotzdem noch ein Lächeln rausdrücken - es war schön mit Dir So werden wir Dich in Erinnerung behalten: volle Leistung und trotzdem noch ein Lächeln rausdrücken - es war schön mit Dir - Bleib gesund und dem Radsport treu.